Literaturpreis 2026

Die Darmstädter Jury „Buch des Monats“, eine Vereinigung von Kritikern und Literaten, die seit 1952 besteht, hat das schöne Privileg, jeden Monat ein besonderes literarisches Werk auszuzeichnen. Alle zwei Jahre wird eines von ihnen, sozusagen das „Buch der Jahre“, noch einmal hervorgehoben und mit dem „Literaturpreis der Darmstädter Jury“ bedacht. In diesem Jahr erhält die 1966 geborene Christine Wunnicke für ihren meisterlichen Roman „Wachs“ den Literaturpreis. Er gilt einem Werk, das im 18. Jahrhundert angesiedelt ist und doch aktueller nicht sein könnte: In Paris bildet sich die junge Marie Biheron selbst dazu aus, Wachsmodelle von Pflanzen, Tieren und Menschen zu formen. Für ihre anatomischen Studien verschafft sie sich Zugang zu Leichen. Und entwickelt den ehrgeizigen Plan, es mit dem Schöpfer aufzunehmen. Die Menschen, die sie als Wachsbilder erschafft, kennen kein Altern, keine Krankheit, keinen Verfall. Ihr eigener Körper schon. Und so besieht sie nach 1789 die französische Hauptstadt im Jubel der Revolution als vergnügte, steinalte Frau, die zwischen Automaten und wilden Tieren die Spuren ihrer Kunst verfolgt. Christine Wunnicke erzählt davon prägnant, klug, dezent anspielungsreich und mit weitem historischem Bewusstsein. Zugleich aber ist „Wachs“ ein hellwacher Kommentar zur drängenden Frage unserer von KI, Selbstoptimierung und digitalen Avataren schwer gezeichneten Zeit: Was ist das, der Mensch? Die Laudatio hält Jürgen Kaube, Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Preisträger:

3. Literaturpreis der Darmstädter Jury „Buch des Monats“

Preisverleihung im Literaturhaus Darmstadt, 28. Mai 2026