Buch des Monats: Buchliste
Bücher des Monats 2026
MÄRZ: Joanna Bator „Die Flucht der Bärin“

Joanna Bator „Die Flucht der Bärin“
Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026
317 Seiten, Fester Einband mit Schutzumschlag
26 Euro,
ISBN: 978-3-518-43285-3
Wenn sich in einem Text Menschen in Tiere verwandeln, hat man es nicht unbedingt mit einem Märchen oder einem Mythos zu tun. Man denke nur an Franz Kafkas „Die Verwandlung“. Auch in „Die Flucht der Bärin“ der 1968 geborenen polnischen Autorin Joanna Bator sind die Grenzen von Mensch zu Tier gelegentlich fließend. Da verwandelt sich eine seltsame Alte, die sich um Fledermäuse sorgt, irgendwann selbst in ein zartflügeliges Nachttier, da sprechen Schildkröten mit einer modernen Eremitin. Dabei sind die sechzehn Erzählungen des Bandes, die sich gleichermaßen einzeln, wie auch miteinander verwoben lesen lassen, alles andere als phantastische Literatur. Bators Blick auf ihre Figuren geht über das Dokumentarische und Realistische hinaus. Sie schaut in Abgründe hinter dem Alltäglichen und bemerkt Seltsamkeiten und Unheimliches hinter glatten Fassaden.
Bator erzählt von Menschen, die sich und einander fremd geworden sind oder es schon immer waren. Ihre Rückgriffe auf Mythen, Märchenmotive und die phantastische Literatur charakterisieren das Unbewusste und Verdrängte ihrer Figuren. Sie leben in einer Welt, in der seltsame Haarzöpfe aus Gefäßen wachsen, wenn man den Deckel öffnet, plötzlich starke Gerüche nach Aas und Domestos oder reifer Melone auftreten, Kinder, die sich mit Knollenblätterpilzen vergiftet haben und vor dem Gartentor eine Frau stehen und vor deren Augen sterben. Damit steht „Die Flucht der Bärin“ in einer Tradition von Texten wie E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“, Haruki Murakamis „Kafka am Strand“ oder Peter Weirs Kultfilm „Picknick am Valentinstag“ – und auf all diese Texte und Filme wird in Erzählungen tatsächlich angespielt, die zu lesen die Augen öffnet und das Denken weitet.
Darmstädter Jury „Buch des Monats e. V.“, Beate Tröger
FEBRUAR: András Visky „Die Aussiedlung“

András Visky „Die Aussiedlung“
Suhrkamp Verlag, Berlin, 2025
476 Seiten, Fester Einband mit Schutzumschlag
30 Euro,
ISBN: 978-3-518-43245-7
Ein wahrer Fall: András Viskys Vater, ein Angehöriger der ungarischen Minderheit in Rumänien, stellt sich als Pfarrer gegen das Regime und wird in den Fünfzigerjahren inhaftiert, seine Frau mit den sieben Kindern in ein Arbeitslager an der Donau gebracht. András ist das jüngste Kind. Er beschreibt die jahrelange Haft der Familie in seinem autobiographischen Roman, das Hausen in Erdhöhlen, den Hunger, die Erniedrigung, den Kampf um Schulbesuch und das Erlernen der rumänischen Sprache.
Der Dramatiker Visky löst seine Erzählung in mehr als 800 Kurzkapitel auf, es entsteht ein Mosaik pointierter Szenen, aufeinander bezogen und eigenständig, bitter, manchmal witzig, viele alltäglich und latent durchzogen von der biblischen Sprache des Elternhauses.
Es ist keine geringe Leistung der preisgekrönten Übersetzerin Timea Tankó, die verschiedenen Sprachen – deutsch, ungarisch, rumänisch – und ihre Register (von biblisch bis derb und manchmal beides zugleich) zu uns zu bringen. Und dem erschütternden Stoff damit seine literarische Form neu zu schenken.
Darmstädter Jury „Buch des Monats e. V.“, Tilman Spreckelsen
JANUAR: Jehona Kicaj „ë“

Jehona Kicaj „ë“
Wallstein Verlag, Göttingen, 2025
176 Seiten, gebunden, Schutzumschlag
22 Euro,
ISBN: 978-3-8353-5949-9
Räumlich entfernt vom Geschehen eines Krieges kann man dennoch direkt mit ihm in Verbindung stehen. Das muss die namenlose Erzählerin des eindringlichen Romandebüts ë von Jehona Kicaj erben. Der Roman lotet aus, was es für sie und die eigene emigrierte Familie bedeutet, sich aus der Entfernung in Deutschland zu Menschen zugehörig zu fühlen, die im Kosovo kämpfen und sterben: Die Gewalt schreibt sich auch in sie ein.
„Ich komme aus der Sprachlosigkeit“, sagt die namenlose Protagonistin, die am Anfang des Romans damit konfrontiert ist, sich selbst mit ihrem nächtlichen Kiefermalmen ihre Zähne zu ruinieren. Kicaj zeigt in präziser und prägnanter Weise, wie Körper und Sprache reagieren, wenn kaum zu fassende und traumatische Momente sich in einen Menschen einschreiben, wie Schmerz, Verdrängung, das Gefühl, fremd am Rand zu stehen, dauerhafte Spuren hinterlassen, Kratzern in einer Schallplatte gleich. Zugleich erfährt man, wie bedeutsam Schreiben sein kann, wenn es der Erfahrung des schmerzhaften Verstummens abgerungen ist.
Ob sich die Traumata der jungen Frau durch das Erzählen tatsächlich lösen, lässt dieser Roman offen. In ihm bricht sich die Geschichte all der Menschen, deren Familien über Generationen Erfahrungen von Gewalt und Verlust aufgrund nationaler Konflikte und Kämpfe weiterzutragen gezwungen sind.
Darmstädter Jury „Buch des Monats e. V.“, Beate Tröger
Bücher des Monats 2025
DEZEMBER: Judi Dench „Shakesspeare. Der Mann, der die Miete zahlt“

Judi Dench „Shakesspeare. Der Mann, der die Miete zahlt“
Originaltitel: Shakespeare. The Man Who Pays The Rent
Übersetzt von Christa Schuenke
Dörlemann Verlag, Zürich, 2025
528 Seiten, Hardcover
34 Euro,
ISBN: 978-3-03820-176-2
Für alle, die schon einmal in einem Theater gesessen und Leuten auf der Bühne zugeschaut haben, wie sie aus Worten und Texten und Bildern und Tönen Fleisch und Blut und Leben gemacht haben, ist dieses Buch ein unter den Christbaum zu legendes Pflicht-, will sagen Idealgeschenk! Man schenkt sich damit einen Spiegel.
Denn genauso, wie wenn man vor einem mit dickem Firniss und Staub überzogenen Gemälde in der British National Gallery, das Shakespeare darstellen soll, stünde und bei jedem Firniss-Wegwischen und Nähergucken erstaunt sähe, dass man auf die Malerei wie in einen Spiegel hineinschaute, der einem nichts Weiteres, aber auch nichts Tolleres, Verwegeneres zeigte als die eigenen Gesichtszüge des Betrachters – genauso verfährt die große britische Theaterschauspielerin Judy Dench (bitte, sie hat auch schon mal die Geheimdienstchefin „M“ in „James Bond“-Filmen gespielt) in ihrem Shakespeare-Buch, das sie zusammen mit ihrem Kollegen Brendan O’Hea in gescheit lockerem, höchst unterhaltsamen, dabei jede literarische Tiefe locker durchdringenden, anekdotenhübschen wie sarkasmusstark selbstironischen Dialog-Duett verfasst hat.
Es geht schlicht darum, sich aller Shakespeare-Rollen, die Judi Dench (Jahrgang 1934) in ihrem langen berühmten sehr englischen Theaterleben in den besten Häusern gespielt hat, noch einmal gesprächsweise zu vergewissern, sich ihnen witz- und tollheitsliebend im Rückspiegel erzählend zu nähern: von Lady Macbeth über die Erste Elfe, die Viola, die Ophelia, die Portia, die Julia, eine Unmenge Königinnen, Intrigantinnen, Liebhaberinnen, Versteckspielerinnen, Mörderinnen, Ehebrecherinnen, Himmelsstürmerinnen. Und immer entdeckt sie in Shakespeare Figuren nicht das, was eine gerade gängige Regie-Aktualmode aus ihnen macht, sondern das, was von uns Gegenwartskrüppeln in ihnen schon an konsistenter Erfahrung, Tragik, Tollheit, Aberwitz, Dummheit, Phantasie, Mordlust, Niedertracht, Sehnsucht (und was noch immer) so verblüffend wie unnachahmlich drinsteckt. Shakespeare – das ist der Mann, der nicht nur die Miete zahlt, das ist der Mann, der dich so gut kennt wie kein zweiter! Schlag nach bei Judi Dench.
Darmstädter Jury „Buch des Monats e. V.“, Gerhard Stadelmaier
NOVEMBER: Anja Kampmann „Die Wut ist ein heller Stern“

Anja Kampmann „Die Wut ist ein heller Stern“
Hanser Verlag, München, 2025
496 Seiten, Hardcover
28 Euro,
ISBN: 978-3-446-28120-2
So, wie die junge Artistin Hedda im „Alkazar“, dem historischen Varieté der dreißiger Jahre auf der Hamburger Reeperbahn, ihre Rolle voll konzentriert und fehlerfrei am Seil schwebend im Spagat kopfunter über zwei schwarzen, nach ihr schnappenden Kaimanen meistert, so artistisch und spannend ist dieser Roman komponiert.
In knappen Szenen wird eine Flut an Erstrebtem, Erlebtem, Erlittenem an uns heran getragen, Verbrecherisches, Vernichtendes, Verwundetes, Inniges. Und wir, die Lesenden, verkörpern sozusagen Heddas Tagebuch, uns vertraut sie die erschreckendsten Geschehnisse an, bittend gar um Geheimhaltung, „schsch“ (nicht weitersagen!), als wolle sie ihre Worte gleich wieder
verscheuchen. Uns, dem Tagebuch, wird das Mörderische, Heuchlerische, Infame, alles Lebens- und Liebenswerte Verhöhnende in atemlosen Sätzen mitgeteilt. „Die Wut hält mich wach, sie leuchtet“ und sie verflucht den „Klumpfuß“, der sich ausgedacht hat, “was ein Mädchen ist“.
Sie wütet gegen die immer unverschämter werdenden Uniformierten, die
Nötigungen, Verhaftungen, Verhöre, Zwangssterilisationen.
Außer den Romanfiguren gibt es zahlreiche reale Personen, die in diesem Buch Nebenrollen spielen, Idole wie Schwergewichtsboxer Max Schmeling, Tenor Enrico Caruso, Chansonette Claire Waldoff – und neben den verhassten Funktionären namentlich erwähnte medizinisch Verantwortliche, die später, nach Ende der Tyrannei, ungehindert weiter praktizieren konnten.
Anja Kampmann schreibt ausgezeichnete Gedichte. Vor zehn Jahren erhielt sie den Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis, im vergangenen Jahr den Marie-Luise-Kaschnitz-Preis. Ihre Prosa steht auf lyrischem Fundament. Auch das macht diesen großen Text bei allen inhaltlichen Turbulenzen so eindringlich und flirrend.
Darmstädter Jury „Buch des Monats e. V.“, Hanne F. Juritz
OKTOBER: Hans-Joachim Schädlich „Bruchstücke“

Hans-Joachim Schädlich „Bruchstücke“
Rowohlt Buchverlag, Hamburg, 2025
192 Seiten
24 Euro, auch als E-Book erhältlich
ISBN: 978-3-498-00767-6
„Bruchstücke“ – einen besseren Titel für seine mehr als ein halbes Jahrhundert umfassenden autobiografischen Skizzen, Szenen, Prosaminiaturen und Erinnerungsfragmente kann es für Hans-Joachim Schädlichs Buch nicht geben.
Aufeinander gebaut, ergeben die anlässlich seines 90. Geburtstages – an diesem 8. Oktober – herausgekommenen, insgesamt 71 „Bruchstücke“ ein einzigartiges Prosagebäude. Einzigartig, weil darin Begegnungen mit liebsamen und unliebsamen, gewonnenen und verlorengegangenen Weggefährten Platz finden, die für das getriebene, von Auswegen und Umwegen begleitete Leben des Schriftstellers Hans-Joachim Schädlich prägend waren. Es sind Dichter und Intellektuelle, die der in der DDR geborene, an der Humboldt-Universität ausgebildete, an der Akademie der Wissenschaften in Ost-Berlin einst wirksame, 1977 mit genehmigten Ausreiseantrag in die Bundesrepublik entkommene Autor des überragenden Spitzel-Romans „Tallhover“ (1986) ein Denkmal setzt wie sich selbst. Um nur einen Bruchteil zu nennen: Sarah Kirsch, Bernd Jentzsch, Jurek Becker, Jürgen Fuchs, Adolf Endler, – gleichsam eine „Wohngemeinschaft“ mit Dichtern, die sich, Entflohene wie er selbst, im vereinigten Deutschland zurechtzufinden versuchten.
„Versuchte Nähe“ (1977) heißt der erste Prosaband Schädlichs. In seiner (von Schädlich zitierten) treffenden Laudatio anlässlich der Auszeichnung mit dem Rauriser Literaturpreis 1978 sagte Marcel-Reich-Ranicki: „Er verfremdet das Leben, um es zu vergegenwärtigen. Er ist ein Chronist und ein Virtuose – beides zugleich und auf einmal.“ Das blieb Schädlich bis heute.
Darmstädter Jury „Buch des Monats e. V.“, Dr. Hajo Steinert
SEPTEMBER: Will und Roswitha Quadflieg „Ich will lieber schweigen“

Will und Roswitha Quadflieg „Ich will lieber schweigen“
kanon verlag, Berlin, 2025
Das Tagebuch eines Schauspielers aus den Jahren 1945/46 und die Fragen seiner Tochter. Mit zahlreichen Abbildungen, Personenregister, Zeittafel und Landkarte
298 Seiten, Gebunden mit SU
26 Euro, auch als E-Book erhältlich
ISBN: 978-3-98568-171-6
Es ist die beliebteste, natur-, umstände- und schuldgemäß nie mit einer wahren Antwort rechnende Gesellschaftsfamilienfrage der sogenannten Achtundsechziger gewesen: Papa, was hast du im Krieg gemacht?
Die Buchkünstlerin, Typographin, Schriftstellerin und Dramatikerin Roswitha Quadflieg, Jahrgang 1949, im Jahr 1968 gerade mal erwachsen geworden, Tochter eines der berühmtesten Jungschauspielers der Nazi- und eines der erlesenst tönenden Rezitatoren und mimischen Wohllaut-Virtuosen der Nachkriegstheaterzeit (Faust bei Gründgens, Hamburg, 1957!), hat sich diese Frage nie gestellt. Bis sie im Nachlass ihrer Mutter ein Tagebuch Will Quadfliegs fand, über 103 Tage vom Frühjahr 1945 bis in den Oktober 1946 hinein verfasst. Worin sie die Antworten des Hochberühmten auf ihre nie gestellte Fragen fand. Die sie nun nachholt. Nicht anklagend. Nicht verurteilend. Nicht besserwisserisch von der Nachgeborenenwarte herab. Aber auch nicht ausweichend. Nichts entschuldigend. Nichts salvierend. Sondern: einfach nur staunend. Darüber, wie jemand sich, während um ihn herum die Welt apokalyptisch explodiert, an allem sich vorbeischlängelt. Und ungerührt, unbeeindruckt von Greueln, Tod, Bomben, Leichen, Massakern und Völkermorden nur selbstgefällig um sich selbst dreht. Jede Flasche Wein, jedes weiche Bett, jede weibliche Zuwendung dankbar notiert, die er in Offizierkasinos als Zusatzgratifikation erhält, wenn er vor Wehrmachtsresten im Auftrag des bald nicht mehr existierenden Reichspropagandaministeriums Goethe, Kleist, Schiller und Hölderlin rezitiert. Aber von allem anderen „lieber schweigen will“. Und als frohgemuter, allen bösen Umständen überlegener „Kultur-Deutscher“ die Fülle des Wohllauts über die untergehende Welt breitet. Mit „Goethe als Scheuklappen“, wie seine Tochter feststellt. Ein hochambitionierter Teflon-Deutscher, an dem abperlt, was sich abspielt – Hauptsache, er spielt weiter. Zum Staunen. Zum Erschrecken.
Dieses Buch ist in seiner feinen, schonungslosen Nüchternheit und bewussten Nicht-Verurteilung eine grandiose Ausgrabung über Generationen hinweg. Man hat es zwar geahnt. Versteht es aber jetzt besser.
Darmstädter Jury „Buch des Monats e. V.“, Gerhard Stadelmaier
AUGUST: Wim Hofmann „Was wir hatten und was nicht“

Wim Hofmann „Was wir hatten und was nicht“
Secession Verlag, Berlin, 2025
zweisprachige Ausgabe
Aus dem Niederländischen von Hedwig von Bülow
Mit einem Vorwort von Rudolf Müller
Ein Autor ist zu entdecken, eine Stimme, eine Welt. Wim Hofman, 1941 in der niederländischen Provinz Zeeland geboren, hat seinen souverän leuchtenden Stil lange ausgebildet: an der Natur, am Leben, an der Erinnerung. Eine nachdenklich in sich ruhende und musikalisch klangvolle Stimme ist das, von erstaunlicher Variationsbreite und doch immer wiedererkennbar. Als ausgebildeter Theologe und Philosoph trittsicher im Motivbestand der Tradition, zieht Hofman dennoch meist eine einfache, verständliche Bildlichkeit vor, wie sie auch seine Illustrationen prägt. Eine äußerst vielgestaltige, poetisch aufgeweitete, aber nie prätentiöse Prosa ist so entstanden, für die der Autor mit zahlreichen Preisen bedacht wurde.
Viel gelesen werden in den Niederlanden auch seine phantasievollen Kinderbücher, die den Schrecken zulassen, aber zugleich lehren, ihn mit Vorstellungskraft zu bannen. Hofmans Lyrik ist ebenfalls alles andere als hermetisch. Sie lädt die Leser ein, mit dem Dichter zu reisen: sei es in die eigene Familiengeschichte im Vlissingen der Nachkriegszeit, sei es an imposante Orte wie die Klippen des schottischen Holborn Head („Überschwänglich sind sie, kennen keine Scheu“), sei es in zeitlose Gärten voller Vögel, Fische, Krebse und Schmetterlinge. Immer hat dieser Tonvirtuose dabei das Ohr an den Muscheln: „zauberhafte aus Angst gebaute Gebilde, sichere Häuschen, Festungen, Wehrtürme, Spiraltreppen, Ohrmuscheln, in denen ein leises Rauschen zu hören ist wie in dem Glossus humanus der Herzschlang des Meeres“.
Die nun auf Deutsch erschienene, hinreißend schöne Auswahl aus dem lyrischen Werk – zweisprachig, wie es sich gehört, prächtig übersetzt von Hedwig von Bülow und mit Illustrationen des Autors versehen – bietet die hervorragende Gelegenheit, den hierzulande erstaunlicherweise unbekannten Wim Hofman endlich kennenzulernen, und das gleich auf dem Zenit seiner Kunst. „Was wir hatten und was nicht“ ist das Buch des Monats August 2025 der Darmstädter Jury.
Darmstädter Jury „Buch des Monats e. V.“, Oliver Jungen
JULI: Lothar Müller „Die Feuerschrift“

Lothar Müller „Die Feuerschrift“
Verlag Klaus Wagenbach, Berlin, 2025
272 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag. Mit zwei Karten, vielen Abbildungen und einem von Martina Kempter erstmals übersetzten Originaltext
28 Euro
ISBN: 978-3-8031-3751-7
Ein einsamer Mann sitzt in der Bibliothek eines abgeschiedenen nordböhmischen Schlosses und schreibt seine Erinnerungen nieder: an die Zeit, in der er sich geschickt und wagemutig in die schönsten Liebesabenteuer stürzte, vertraulich mit Königen verkehrte und immer wieder nur knapp den Nachstellungen seiner Widersacher entkam. Diese Züge trägt das gängige Bild, das wir uns von dem alten Giacomo Casanova im böhmischen Schloss Dux machen. Manches davon bestätigt Lothar Müller in seinem Sachbuch „Die Feuerschrift“, vieles entlarvt er dagegen als recht einseitige Lektüre des berühmten Memoirenwerks und setzt eine andere Perspektive dagegen.
Die nimmt einen Mann in den Blick, der zum Stand der „Abenteurer“, dem er gern zugerechnet wird, ein ambivalentes Verhältnis hat. Denn Casanova ist durchaus ein Projektemacher, der dafür recht frei mit seinem Namen umgeht und es versteht, reiche Gönner für sich einzunehmen. Aber er ist zugleich ein politischer Kopf, der mit Friedrich dem Großen von Preußen oder Voltaire auf Augenhöhe diskutiert, verliebt in große Pläne und wach genug, seinem Gegenüber anzumerken, wenn der sich von Lotterie- oder Fabrikprojekten nicht einnehmen lassen will. Vor allem aber zeichnet Müller Casanova als einen Menschen, der Nachrichten über politische oder gesellschaftliche Umschwünge in sich aufsaugt und weitergibt. Und dass in Dux von Einsamkeit keine Rede sein kann, zeigt Müller auch. Sein Casanova ist ganz aus Worten, ganz aus Schrift gemacht. Und erweist sich damit als Kind einer Zeit, die Müller uns aufs Schönste nahebringt.
Darmstädter Jury „Buch des Monats e. V.“, Tilman Spreckelsen
JUNI: Christine Wunnicke „Wachs“

Christine Wunnicke „Wachs“
Berenberg Verlag, Berlin, 2025
192 Seiten, Halbleinen, fadengeheftet, 24 Euro
ISBN: 978-3-911327-03-9
Es gab sie wirklich, die Pariser Leichenseziererin Marie Biheron im 18. Jahrhundert, Apothekerstochter und geradezu süchtig nach toten Körpern, deren Innereien sie faszinierte und die sie in Wachs nachbildete, naturgetreu in Perfektion. Herz, Leber, Nieren usw. wurden wächserne Skulpturen, die wohlhabende Abnehmer fanden. Marie Antoinette hatte ihre helle Freude daran. Die anatomischen Studien wurden in einer Zeit absolut männlicher Dominanz bewundert, beneidet, bespöttelt und geklaut. Die Revolution, die Erfindung der Guillotine, die Hinrichtungen sind in dieser Geschichte Randerscheinungen. Wichtig ist der Autorin die feine Liebesbeziehung zwischen der Seziererin und der späteren Lebensgefährtin, einer bedeutenden Pflanzenzeichnerin. Beide machten mit ihren unterschiedlichen Künsten Karriere.
Christine Wunnicke versteht es trefflich, Vergangenes ins Jetzige zu befördern und bei allen Schrecklichkeiten die Lesenden mit Wissen und Skurrilitäten bei Laune zu halten.
Darmstädter Jury „Buch des Monats e. V.“, Hanne F. Juritz
MAI: Marion Poschmann „Die Winterschwimmerin. Verslegende“

Marion Poschmann „Die Winterschwimmerin. Verslegende“
Berlin: Suhrkamp Verlag, 2025
80 Seiten, 22 Euro
ISBN: 978-3-518-43235-8
Wasserscheuen und Wärmeliebenden mag es seltsam vorkommen, bei jedem Wind und Wetter Gewässer aufzusuchen und sich schwimmend hineinzubegeben. Und doch liegen Winterschwimmen und Eisbaden seit Jahren im Trend. Marion Poschmanns Langgedicht „Die Winterschwimmerin“ stellt mit Thekla allerdings eine Frau jenseits der Moden vor. Aus Theklas eisiger Badepraxis wird eine mystische, wird ein Überschreiten von Konventionen: „Die dünne Decke des zivilisierten Verhaltens gab umstandslos nach wie die erste zarte Eisschicht auf einer Pfütze im Herbst“, wird auch ein Kampf der Elemente: „Feuer und Wasser tauschen die Plätze“ – und eine Begegnung mit einem Tiger. Marion Poschmann zieht für ihre Verslegende zahlreiche literarische, philosophische und theologische Quellen heran, bedient sich souverän verschiedener lyrischer Formen, wie der Elegie oder dem Leich, einem Typus mittelalterlicher Dichtung. Wie die Streifen des Tigers lebendig dessen Fell zeichnen, wie sich Wellen im Wind auf dem Wasser kräuseln, bewegt sich die Sprache in diesem Langgedicht, das in seiner Klugheit und Gewandtheit ein echtes, zugleich profundes Lesevergnügen garantiert.
Darmstädter Jury „Buch des Monats e. V.“, Beate Tröger
APRIL: Rolf-Dieter Brinkmann „Westwärts 1 & 2“

Rolf-Dieter Brinkmann „Westwärts 1 & 2“
mit Fotos und Anmerkungen des Autors und einem Nachwort von Michael Töteberg
Verlag: Rowohlt Verlag, Hamburg 2025.
144 S., 52 Euro
ISBN: 978-3-498-00774-4
Rolf-Dieter Brinkmann, geboren 1940 in Vechta und gestorben durch einen tragischen Verkehrsunfall 1975 in London, war ein Enfant terrible der deutschen Literatur der 1960er und 1970er Jahre. Inspiriert von der amerikanischen Underground-Lyrik der sogenannten Beat-Generation, die er als einer der ersten übersetzt und für den deutschen Buchmarkt herausgegeben hat, sprengt er alle konventionellen Gattungsbegriffe und lyrischen Taxonomien. Mit größter Reizbarkeit und Reflektivität reagieren seine oft in epischen Langzeilen arrangierten Gedichte ganz unmittelbar auf Ereignisse des Alltags, machen vor keinem noch so banal erscheinenden Gegenstand halt, um ihn in seiner singulären Würde zu zeigen, und nutzen dabei alle Stilelemente des modernen Gedichts – von kühnen Metaphern des Surrealismus bis zum Parlando des Gelegenheitsgedichts, vom hohen elegischen Ton bis zum Jargon in der Kneipe –, ergänzt immer wieder mit Referenzsystemen: Kommentare, Notizen, Fotografien. Ein Werk wie ein Steinbruch, zu groß, um jemals vollendet zu werden. Und wenn wir seiner Medienkritik folgen, die ein primärer Topos aller Texte ist, dann sind wir so nah an unserer derealisierten Realität, als hätte er sie gerade heute für uns geschrieben. Für alle Lyrikleser – Pflichtlektüre! Unbedingt zu erwähnen sind noch das Nachwort von Michael Töteberg, der zusammen mit Alexandra Vasa zeitgleich eine Biografie veröffentlich hat: „Ich gehe in ein anderes Blau“, ebenfalls bei Rowohlt in Hamburg.
Darmstädter Jury „Buch des Monats e. V.“, Kurt Drawert
MÄRZ: Christine de Pizan „Ich, Christine“

Christine de Pizan „Ich, Christine“
Herausgegeben und übersetzt von Margarete Zimmermann
Verlag: AvivA Verlag, Berlin 2025.
144 S., Hardcover m. Leseband, 20 Euro
ISBN: 978-3-949302-27-5
Aufgewachsen als behütete Tochter eines berühmten Arztes, verheiratet mit einem aufstrebenden Aristokraten – das Leben der Christine de Pizan stand unter glänzenden Auspizien. Dann zeigte sich ihr, wie sie später festhalten sollte, die Dame Fortuna von ihrer launischen Seite. Der Vater starb, bald darauf auch der Ehemann, und die junge Mutter blieb mit ihren drei kleinen Kindern allein in Paris zurück, wo sie in langwierigen Verhandlungen darum kämpfen musste, wenigstens einen Teil des ererbten Vermögens vor den Begehrlichkeiten der Reichen und Mächtigen zu retten. Ein solches Schicksal ist sicherlich kein Einzelfall für eine Frau an der Wende vom vierzehnten zum fünfzehnten Jahrhundert (1364 – ca. 1429). Einzigartig aber sind die farbigen, detaillierten und oft genug galligen Berichte, die sie im Rückblick von dieser Phase ihres Lebens gibt. Wieso ihr das möglich war und wie sie zu einer bedeutenden Autorin wurde, die ein umfangreiches Werk hinterließ, zeigt die Literaturwissenschaftlerin Margarete Zimmermann in einer Edition autobiographischer Texte Pizans. Und wir erfahren dabei auch, welchen Trost sie sich selbst für den Verlust ihres Mannes gibt: Wäre er am Leben geblieben, hätte sie nie die Zeit gehabt, sich studierend und schreibend zur Dichterin auszubilden.
Darmstädter Jury „Buch des Monats e.V.“, Tilman Spreckelsen
FEBRUAR: Bruno Frank „Lüge als Staatsprinzip“

Bruno Frank „Lüge als Staatsprinzip“
Mit begleitenden Texten von Bruno Frank, Erika Mann und Thomas Mann.
Herausgegeben von Peter Graf und Tobias Roth.
Verlag: Das kulturelle Gedächtnis, Berlin 2025. 112 S., geb., 22 Euro
Dass das in der Weimarer Republik viel gelesene und oft aufgeführte Werk des Autors und Dramatikers Bruno Frank weitgehend vergessen scheint, das hat mit der Sprunghaftigkeit des Publikums zu tun. Dabei träfe dieser feine Stilist, der dem jüdischen Großbürgertum entstammte und auch als Lebemann Aufsehen erregte, wohl noch heute vielfach den Geschmack der Leserschaft. Bruno Franks vielleicht kraftvollste Schrift allerdings, eine vor Zorn und Abscheu vibrierende Donnerrede gegen die „Schlammexistenzen“ der nationalsozialistischen Bewegung – und gegen Adolf Hitler im Besonderen –, die konnte bislang niemand kennen, denn der im Jahr 1939 für eine Schriftenreihe von Franks engem Freund und kalifornischem Nachbarn Thomas Mann geschriebene Text blieb aufgrund des Kriegsausbruchs unveröffentlicht. Wie eine Zeitkapsel ist er auf uns gekommen, verfasst zu einer Zeit, zu der der Autor, der über die Judenpogrome und Verfolgungen genau Bescheid wusste, immer noch leise hoffen konnte, besagtes Volk befreie sich alsbald „von jener Spottgeburt aus Lüge und Rachebrunst“. Dem verdienstvollen Verlag Das kulturelle Gedächtnis ist es zu verdanken, dass diese wuchtige und zugleich glasklar analysierende Schrift, die in der infernalischen Lüge das Grundprinzip des NS-Staats ausmacht („Schwindel die ganze nationalsozialistische Firma“), nun in prächtiger Aufmachung und Kommentierung zugänglich ist. Das Buch kommt just zur rechten Zeit, denn wieder macht man mit Lügen Politik, diesmal solchen von gestohlenen Wahlen und haustierfressenden Migranten. Und so strahlen viele der 85 Jahre alten Sätze eine unheimliche Aktualität aus: „Jede Parole war ein Betrug“, heißt es. Oder auch: „Hitler selbst und seine Helfer schufen den Zustand, aus dem sie brüllend den Ausweg in ihr Drittes Reich anboten. Es war alles Lüge, die Gefahr und die Rettung.“ Diese faszinierende Wieder-, nein: Neuentdeckung aus der Feder eines unbeugsamen Moralisten ist eine Trouvaille und das Buch des Monats Februar 2025 der Darmstädter Jury.
Darmstädter Jury „Buch des Monats e.V.“, Oliver Jungen
JANUAR: Vincenco Cerami „Ein ganz normaler Bürger“

Vincenco Cerami „Ein ganz normaler Bürger“
Alexander Verlag
Hardcover. Fadenheftung. Schutzumschlag. 168 Seiten. 22,– €
ISBN 978-3-89581-620-8
Der Schriftsteller und Drehbuchautor Vincenzo Cerami, geboren 1940 in Rom und 2013 dort verstorben, hat gemeinsam mit Roberto Benigni das Drehbuch für den Film „La vita è bella“, dt. „Das Leben ist schön“ geschrieben. Der Film, der 1997 in die Kinos kam und die Geschichte einer aus einer italienischen Kleinstadt nach Auschwitz deportierten jüdischen Familie erzählt, ist der bislang international erfolgreichste italienische Film.
Welch ein großartiger Erzähler Cerami war, zeigt nun auch Esther Hansens Neuübersetzung von Ceramis Debütroman „Un borghese piccolo piccolo“ aus dem Jahr 1976. „Ein ganz normaler Bürger“ erzählt die Geschichte des kurz vor der Rente stehenden Giovanni Vivaldi. Er möchte seinen Sohn Mario im gleichen Ministerium unterbringen, allerdings in einer höheren Position. Damit der Aufstieg gelingt, legt sich Giovanni mächtig ins Zeug, wanzt sich an seinen Vorgesetzten heran, lässt nichts unversucht. Der Plan scheint aufzugehen, doch dann geschieht ein Unglück, durch das sich ein klaffender Abgrund auftut. Indem Cerami die Handlung einbettet in die bleierne Atmosphäre im Rom der 1970er-Jahre, gewinnt das traurige Schicksal Giovannis parabelhafte Züge. Die Lakonie im Erzählton und die präzise Bildhaftigkeit der Sprache machen den schmalen Roman „Ein ganz normaler Bürger“ zu einem nachwirkenden Leseereignis.
Darmstädter Jury „Buch des Monats e.V.“, Beate Tröger
2024
| Monat | Autor / Autorin | Titel | Verlag |
|---|---|---|---|
| Januar | Darja Serenko |
Mädchen und Institutionen. Geschichten aus dem Totalitarismus |
Suhrkamp |
| Februar | Bertrand Badiou |
Paul Celan. eine Bildbiographie |
Suhrkamp |
| März | Julian Gracq |
Lebensknoten | Friedenauer Presse |
| April | Michael Köhlmeier |
Das Philosophenschiff | Hanser |
| Mai | Markus Berges | Irre Wolken | Rowohlt Berlin |
| Juni | Wolf von Niebelschütz | Ein Geisterfrühstück |
Die Andere Bibliothek |
| Juli | Ronya Othmann |
Vierundsiebzig | Rowohlt Berlin |
| August | Olga Martynova | Such nach dem Namen des Windes |
Verlag S. Fischer |
| September | Anna Swirszczynska |
Ich habe eine Barrikade gebaut | Secession |
| Oktober | Christoph Meckel und Lilo Fromm |
Im Briefwechsel mit Johannes Bobrowski 1960-1965 |
Wallstein |
| November | Peter Rühmkorf |
Sämtliche Werke. Band I/1 Gedichte 1 (1946-1962) |
Wallstein |
| Dezember | Anna Katharina Hahn | Der Chor |
Suhrkamp |
Hier lesen Sie die jeweiligen Jurybegründungen des Jahres 2024
2023
| Monat | Autor*in | Titel |
|---|---|---|
| Januar | Charles Simic | Im Dunkeln gekritzelt |
| Februar | Dinçer Güçyeter | Unser Deutschlandmärchen |
| März | Wilhelm Genazino | Der Traum des Beobachtens |
| April | Georg Klein | Im Bienenlicht |
| Mai | Iwan Schmeljow | Der Toten Sonne |
| Juni | Margherita Costa | Die schöne Frau bedarf der Zügel nicht |
| Juli | Ludwig Tieck | Wilde Geschichten |
| August | Joachim Sartorius | Die Versuchung von Syrakus |
| September | Anja Utler | Es beginnt. Trauerrefrain. |
| Oktober | Ilse Helbig | Wie das Leben so spielt |
| November | Zoltán Danyi | Rosenroman |
| Dezember | Owen Booth | Die wirklich wahren Abenteuer und außerordentlichen Lehrjahre des Teufelskerls Daniel Bones |
Hier lesen Sie die jeweiligen Jurybegründungen des Jahres 2023
2022
| Monat | Autor*in | Titel |
| Januar | Banine | Kaukasische Tage |
| Februar | Paul Theroux | Figuren in der Landschaft |
| März | Inger Christensen | Sich selber sehen möchte die Welt |
| April | Cécile Wajsbrot | Nevermore |
| Mai | Andrej Platonow | Der makedonische Offizier |
| Juni | Jelena Schwarz | Buch auf der Fensterbank |
| Juli | Andrea Tompa | Omertà |
| August | Hamid Ismailov | Wunderkind Erjan |
| September | Ror Wolf | Die unterschiedlichen Folgen der Phantasie, Tagebuch 1966-1996 |
| Oktober | Eeva-Liisa Manner | Das Mädchen auf der Himmelsbrücke |
| November | Cesare Pavese und Bianca Garufi | Großes Feuer |
| Dezember | Luzius Keller | Das Marcel Proust Alphabet |
Hier lesen Sie die jeweiligen Jurybegründungen des Jahres 2022
2021
| Monat | Autor*in | Titel |
| Januar | Hallie Rubenhold | The Five. Das Leben der Frauen, die von Jack the Ripper ermordet wurden |
| Februar | Alex Ross | Die Welt nach Wagner. Ein deutscher Künstler und sein Einfluss auf die Moderne |
| März | Eva Schmidt | Die Welt gegenüber |
| April | Juan Gabriel Vásquez | Lieder für die Feuersbrunst |
| Mai | Anton Pawlowitsch Tschechow, Isaak Iljitsch Lewitan übersetzt von Peter Urban | Ach du gestreifte Hyäne. Briefe des Malers Isaak Levitan an Anton Cechov |
| Juni | Aleksandar Tišma | „Erinnere dich ewig. Autobiographie“. Aus dem Serbischen von Mirjana und Klaus Wittmann, mit einem Nachwort von Ilma Rakusa |
| Juli | Toon Horsten: | „Der Pater und der Philosoph“ |
| August | Rainer Brambach/Günter Eich | „Nichts und niemand kann dich ersetzen“ – der Briefwechsel |
| September | Ulrich Koch | Dies ist nur der Auszug aus einem viel kürzeren Text |
| Oktober | George Orwell | Reise durch Ruinen. Reportagen aus Deutschland und Österreich 1945 |
| November | Martina Hefter | In die Wölder gehen, Holz für ein Bett klauen |
| Dezember | Robert Macfarlane und Jackie Morris | Die verlorenen Zaubersprüche |
Hier lesen Sie die jeweiligen Jurybegründungen des Jahres 2021
2020
| Monat | Autor | Titel |
| Januar | Jan Peter Bremer | Der junge Doktorand |
| Februar | Michail Prischwin | Tagebücher, Band 1: 1917 bis 1920 |
| März | Alexander Bulucz | was Petersilie über die Seele weiß |
| April | Robert E. Lerner | Ernst Kantorowicz. Eine Biografie |
| Mai | Alfred Kolleritsch | Die Nacht des Sehens |
| Juni | Ulrich Becher | New Yorker Novellen.“ Ein Zyklus in drei Nächten |
| Juli | Rolf Vollmann | Frauenkatalog 1200, in zehn Bildern |
| August | Hans-Joachim Schädlich | Die Villa |
| September | Ulrike Almut Sandig | Monster wie wir |
| Oktober | Annette Mingels | Dieses entsetzliche Glück |
| November | Seweryna Szmaglewska | Die Frauen von Birkenau |
| Dezember | Baltasar Grácian | Handorakel und Kunst der Weltklugheit |
Hier lesen Sie die jeweiligen Jurybegründungen des Jahres 2020
2019
| Monat | Autor*in | Titel |
| Januar | Philip Blom | Eine italienische Reise |
| Februar | Iwan-Michelangelo d’Aprile | Fontane. Ein Jahrhundert in Bewegung |
| März | Jáchym Topol | Ein empfindsamer Mensch |
| April | Florjan Lipuš | Schotter |
| Mai | Gerhard Falkner | Schorfheide. Gedichte en plein air |
| Juni | Lawrence Ferlinghetti | Little Boy |
| Juli | László F. Földényi | Lob der Melancholie |
| August | Aleš Šteger | Über dem Himmel unter der Erde |
| September | Michael Martens | „Im Brand der Welten. Ivo Andrić . Ein Europäisches Leben |
| Oktober | Christian Saalberg | In der dritten Minute der Morgenröte. Ausgewählte Gedichte |
| November | Sibylle Lewitscharoff | „Von oben“ |
| Dezember | Kjell Askildsen | Das Gesamtwerk |
Hier lesen Sie die jeweiligen Jurybegründungen des Jahres 2019
2018
| Monat | Autor*in | Titel |
| Januar | Michael Opitz | Michael Hilbig. Eine Biografie |
| Februar | Rétif de la Bretonne | Monsieur Nicolas oder Das enthüllte Menschenherz |
| März | Jens Sparschuh | Das Leben kostet viel Zeit |
| April | Peter Härtling | Der Gedankenspieler |
| Mai | Alice Schmidt | Tagebücher der Jahre 1948/49 |
| Juni | Joaquim Maria Machado de Assis | Das Babylonische Wörterbuch |
| Juli | —————— | ——————— |
| August | Richard Fariña | Been Down So Long It Looks Like Up To Me |
| September | Thomas Hürlimann | Heimkehr |
| Oktober | Michael Kleeberg | Der Idiot des 21. Jahrhunderts |
| November | László Krasznahorkais | Baron Wenckheims Rückkehr |
| Dezember |
Hier lesen Sie die jeweiligen Jurybegründungen des Jahres 2018
2017
| Monat | Autor | Titel |
| Januar | Christa Wolf | Man steht sehr bequem zwischen allen Fronten: Briefe 1952 – 2011 |
| Februar | Vladimir Nabokov | Vorlesungen über Don Quijote |
| März | Natascha Wodin | Sie kam aus Mariupol |
| April | Claudio Magris | Verfahren eingestellt |
| Mai | Johannes Bobrowski | Briefe 1937-1965 |
| Juni | Christine Lavant | Gedichte aus dem Nachlass |
| Juli | F. Scott Fitzgerald | Für Dich würde ich sterben |
| August | Ron Winkler | Karten aus Gebieten |
| September | Elias Hirschl | Hundert schwarze Nähmaschinen |
| Oktober | Matthew Sweeney | Hund und Mond |
| November | Péter Nádas | Aufleuchtende Details: Memoiren eines Erzählers |
| Dezember | Nina Jäckle | Stillhalten |
Hier lesen Sie die jeweiligen Jurybegründungen des Jahres 2017
2016
| Monat | Autor*in | Titel |
| Januar | Christa Wolf | Man steht sehr bequem zwischen allen Fronten: Briefe 1952 – 2011 |
| Februar | Vladimir Nabokov | Vorlesungen über Don Quijote |
| März | Natascha Wodin | Sie kam aus Mariupol |
| April | Claudio Magris | Verfahren eingestellt |
| Mai | Johannes Bobrowski | Briefe 1937-1965 |
| Juni | Christine Lavant | Gedichte aus dem Nachlass |
| Juli | F. Scott Fitzgerald | Für Dich würde ich sterben |
| August | Ron Winkler | Karten aus Gebieten |
| September | Elias Hirschl | Hundert schwarze Nähmaschinen |
| Oktober | Matthew Sweeney | Hund und Mond |
| November | Péter Nádas | Aufleuchtende Details: Memoiren eines Erzählers |
| Dezember | Nina Jäckle | Stillhalten |
Hier lesen Sie die jeweiligen Jurybegründungen des Jahres 2016
2015
| Monat | Autor*in | Titel |
| Januar | Sinaida Hippius | Petersburger Tagebücher 1914-1919 |
| Februar | Mark Thompson | Geburtsurkunde. Die Geschichte von Danilo Kiš |
| März | Stefano d’Arrigo | Horcynus Orca |
| April | Christian Bommarius | Der gute Deutsche. Die Ermordung Manga Bells in Kamerun |
| Mai | Christoph Meckel | Tarnkappe |
| Juni | Noémi Kiss | Schäbiges Schmuckkästchen – Reisen in den Osten Europas |
| Juli | Peter James Bowman | Ein Glücksritter – Die englischen Jahre von Fürst Pückler-Muskau |
| August | Eduardo Mendoza | Der Walfisch |
| September | Ludwig Fels | Die Hottentottenwerft |
| Oktober | Drago Jančar | Die Nacht, als ich sie sah |
| November | Bea Dieker | Vaterhaus |
| Dezember | Ulrich Raulff | Das letzte Jahrhundert der Pferde – Geschichte einer Trennung |
Hier lesen Sie die jeweiligen Jurybegründungen des Jahres 2015
2014
| Monat | Autor*in | Titel |
| Januar | Rafael Chribes | Am Ufer |
| Februar | Vladimir Odoevskij | Der schwarze Handschuh |
| März | Charles Lamb | Eine Abhandlung über Schweinebraten |
| April | Andrea Zanzotto | Dorfspiel |
| Mai | Ulrike Draesner | Sieben Sprünge vom Rand der Welt |
| Juni | Karin Kiwus | Das Gesicht der Welt |
| Juli | Ludwig Winder | Thronfolger |
| August | Lisbeth Exner und Herbert Kapfer | Verborgene Chronik 1914 |
| September | Sherko Fatah | Der letzte Ort |
| Oktober | Alastair Brotchie | Alfred Jarry – Ein pataphysisches Leben |
| November | Tereza Boucková | Wahnsinnig traurige Geschichte |
| Dezember | Thomas Wolfe | Von Zeit und Fluss |
Hier lesen Sie die jeweiligen Jurybegründungen des Jahres 2014
2013
| Monat | Autor*in | Titel |
| Januar | Lucia Puenzo | Wakolda |
| Februar | Yoram Kaniuk | 1948 |
| März | Wassili Golowanow | Die Insel oder Rechtfertigung des sinnlosen Reisens |
| April | Jessica Mitford | Hunnen und Rebellen |
| Mai | Philip Hoare | Leviathan oder Der Wal |
| Juni | Sergej Lebedew | Der Himmel auf ihren Schultern |
| Juli | Upton Sinclair | Öl |
| August | Korbinian Aigner | Äpfel und Birnen – Das Gesamtwerk |
| September | Ilja Ilf und Jewgeni Petrow | Das Goldenen Kalb oder die Jagd nach der Million |
| Oktober | Moacyr Scliar | Kafkas Leoparden |
| November | Fernand Braudel | Geschichte als Schlüssel zur Welt |
| Dezember | Rainer Schmitz | Henriette Herz in Erinnerungen |
2012
| Monat | Autor*in | Titel |
| Januar | Juri Andruchowitsch | Perversion |
| Februar | Joseph Roth/Stefan Zweig | Jede Freundschaft mit mir ist verderblich |
| März | Sherwood Anderson | Winesburg, Ohio |
| April | Lothar Müller | Weisse Magie. Die Epoche des Papiers |
| Mai | Helmut Schödel | Der Wind ist ein Wiener. Reportagen für morgen |
| Juni | Patricia Görg | Handbuch der Erfolglosen |
| Juli | Ror Wolf | Die Vorzüge der Dunkelheit |
| August | Angelika Meier | Heimlich, heimlich, mich vergiss |
| September | Fritz Rudolf Fries | Der Weg nach Oobliadooh |
| Oktober | Max Hermann-Neiße | Liebesgemeinschaft in der Fremde |
| November | Wsewolod Petrow | Die Manon Lescaut von Turdej |
| Dezember | Claudia Ott | 101 Nacht |
2011
| Monat | Autor*in | Titel |
| Januar | Dieter Bachmann | Unter Tieren |
| Februar | Salka Viertel | Das unbelehrbare Herz |
| März | Jean Cayrol | Im Bereich einer Nacht |
| April | Pierre de Ronsard | Amoren für Marie |
| Mai | Alexander Kluge | Das Bohren harter Bretter |
| Juni | Kurt Drawert | Idylle Rückwärts – Gedichte aus drei Jahrzehnten |
| Juli | Nathaniel Hawthorne | Zwanzig Tage mit Julian und Little Bunny |
| August | Erich Mühsam | Tagebücher 1. 1910-1911 |
| September | Sophus Claussen | Antonius in Paris |
| Oktober | Walter Boehlich | Die Antwort ist das Unglück der Frage |
| November | Remco Campert | Jagen, Leben, Erinnern |
| Dezember | G.H.Pratt Ambrose | Menura |
2010
| Monat | Autor*in | Titel |
| Januar | Volker Braun | Werktage I – Arbeitsbuch 1977 – 1989 |
| Februar | Rainer Maria Rilke | Eva Cassirer Briefwechsel |
| März | Dante Alighieri | Die göttliche Komödie 1 – Hölle/Inferno |
| April | Michela Murgia | Accabadora |
| Mai | Kurt Flash | Meister Eckhart. Philosoph des Christentums |
| Juni | Nadja Küchenmeister | Alle Lichter |
| Juli | Klaus Wagenbach | Die Freiheit des Verlegers |
| August | Gregoire Bouillier | Ich über mich |
| September | Angela Rohr | Der Vogel, gesammelte Erzählungen und Reportagen |
| Oktober | Karl Markus Gauß | Im Wald der Metropolen |
| November | Iwan Bunin | Am Ursprung der Tage |
| Dezember | Roberto Calasso | Das Rosa Tiepolos |
2009
| Monat | Autor*in | Titel |
| Januar | Alexander Granach | Du mein liebes Stück Heimat |
| Februar | Sándor Márai | Literat und Europäer (Tagebücher 1) Unzeitgemäße Gedanken (Tagebücher 2) |
| März | Anna Katharina Hahn | Kürzere Tage |
| April | Olga Tokarczuk | Unrast |
| Mai | Michael Hamburger | Letzte Gedichte |
| Juni | Wolfgang Hilbig | Erzählungen und Kurzprosa |
| Juli | Alexander Hemon | Lazarus |
| August | Anna Louisa Karsch | Die Sapphischen Lieder |
| September | Viktor Hofmann | Lüge: Die Erzählungen |
| Oktober | Luc Bondy | Am Fenster |
| November | Georg Grosz | Ein kleines JA und ein großes NEIN |
| Dezember | Hans Adler | Das Städtchen |
2008
| Monat | Autor*in | Titel |
| Januar | Georges Hyvernaud | Der Viehwaggon |
| Februar | Gerlind Reinshagen | Die Frau und die Stadt |
| März | Willa Cather | Meine Antonia |
| April | William Faulkner | Licht im August |
| Mai | Peter Rühmkorf | Paradiesvogelschiß |
| Juni | Philippe Jaccottet | Die Lyrik der Romandie |
| Juli | Willy Vlautin | Motel Life |
| August | Robinson Jeffers | Die Zeit, die da kommt |
| September | Orlando Figes | Die Flüsterer. Leben in Stalins Russland |
| Oktober | Nazim Hikmet | Die Namen der Sehnsucht |
| November | Nico Bleutge | Fallstreifen |
| Dezember | Ernö Szèp | Die Liebe am Nachmittag |
2007
| Monat | Autor*in | Titel |
| Januar | Joseph Czapski | Proust – Vorträge im Lage Grajasowez |
| Februar | Hjalmar Söderberg | Verirrungen |
| März | Christine Langer | Lichtrisse |
| April | Claude Arnaud | Matthes & Seitz |
| Mai | Jens-Fietje Dwars | Und dennoch Hoffnung. Peter Weiss |
| Juni | Maeve Brennan | Der Teppich mit den großen pinkfarbenen Rosen |
| Juli | Georg Brandes | Der Wahrheitshass |
| August | Jan Neruda | Die Hunde von Konstantinopel |
| September | Warlam Schalamow | Durch den Schnee |
| Oktober | Tilman Spreckelsen | Gralswunder und Drachentraum |
| November | Norbert Wehr | Schreibheft – Zeitschrift der Literatur Ausgabe 69 |
| Dezember | Heike Klapdor | Ich bin ein unheilbarer Europäer – Briefe aus dem Exil |
2006
| Monat | Autor*in | Titel |
| Januar | William S. Maugham | Die gesammelten Erzählungen |
| Februar | Hans Martin Gauger | Vom Lesen und Wundern |
| März | Martini Zschokke | Maurice mit Huhn |
| April | Rolf Bossert | Ich steh auf den Treppen des Windes |
| Mai | Jan Faktor | Schornstein |
| Juni | Fatos Kongoli | Hundehaut |
| Juli | Dževad Karahasan | Der nächtliche Rat |
| August | Manfred Flügge | Heinrich Mann – Eine Biographie |
| September | Leonid Zypkin | Ein Sommer in Baden-Baden |
| Oktober | Paul Bourget | Ein Frauenherz |
| November | Bozena Nemcova | Mich zwingt nichts als die Liebe |
| Dezember | Robert Creeley | Alles, was es für immer bedeutet |
2005
| Monat | Autor*in | Titel |
| Januar | Ivan Bunin | Cechov Erinnerungen eines Zeitgenossen |
| Februar | Philippe Jaccottet | Der Pilger und seine Schale |
| März | Eva Menasse | Vienna |
| April | Arnold Stadler | Mein Stifter |
| Mai | László Krasznahorkai | Im Norden ein Berg, im Süden ein See, im Westen Wege, im Osten ein Fluss |
| Juni | Helmut Koopmann | Thomas Mann – Heinrich Mann – Die ungleichen Brüder |
| Juli | Petri Tamminen | Verstecke |
| August | Tomas Tranströmer | Das große Rätsel |
| September | Ilse Aichinger | Unglaubwürdige Reisen |
| Oktober | Jirí Kratochvill | Der traurige Gott |
| November | Irène Némirovsky | „Suite française“ |
| Dezember | Ryszard Kapuscinski | Meine Reisen mit Herodot |
2004
| Monat | Autor*in | Titel |
| Januar | Otto Flake | Hortense oder Die Rückkehr nach Baden-Baden |
| Februar | Karl Corina | Robert Musil; Eine Biographie |
| März | Norman Manea | Die Rückkehr des Hooligan |
| April | Carl J. L. Almqvist | Die Woche mit Sara |
| Mai | Klaus Merz | Löwen Löwen |
| Juni | Ulrike Draesner | Hot Dogs |
| Juli | Michael Hamburger | Aus einem Tagebuch der Nicht-Ereignisse |
| August | Sándor Márai | Die Nacht vor der Scheidung |
| September | Irina Liebmann | Die freien Frauen |
| Oktober | Carlos Maria Dominguez | Das Papierhaus |
| November | Mark Strand | Über Gemälde von Edward Hopper |
| Dezember | Henning Ritter | Nahes und fernes Unglück |
2003
| Monat | Autor*in | Titel |
| Januar | F. K. Waechter | Waechter |
| Februar | H.Mann/F. Bertaux | Briefwechsel 1922 – 1948 |
| März | Christina Viragh | Pilatus |
| April | Undine Gruenter | Sommergäste in Trouville |
| Mai | Pawel Huelle | Mercedes-Benz |
| Juni | Scholz/Engeler | Fümms bö wä tää zää Uu |
| Juli | Hermann Vinke | Cato Bonjtes van Beek „Ich habe nicht um mein Leben gebettelt“ |
| August | Patrick Modiano | Die kleine Bijou |
| September | Ror Wolf | Zwei oder drei Jahre später |
| Oktober | Ralph Dutli | Mandelstam – Meine Zeit, mein Tier |
| November | Raphael Urweider | Das Gegenteil von Fleisch |
| Dezember | Wilhelm Heinse | Aufzeichnungen – Der Frankfurter Nachlass |